Bei den Ch’tis

Zunächst geht die Fahrt entlang der herrlichen Küste von Locronan nordwärts und dann durch den Parc Naturel Régional d’Armorique. Dort führt die D791 wieder einmal über eine dieser faszinierenden französischen Brücken, die Le-Marros mit Bois-du-Roz verbindet.

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Wenig später erreiche ich Brest, schwinge mich neugierig aufs Rad und kurve aus dem Hafengebiet eine mittelalterlich angelegte Serpentinenstraße hinauf in die „Alt“stadt. Die hat einen ähnlichen Charme wie Vegesack. Ich suche zwischen leeren Ladenstraßen (es ist Sonntag), Straßenbahnschienen, einigen afrikanisch wirkenden Rumstehern und zwei verloren herumtapernden Touristen weiter nach dem Herzen der Stadt und bin erschüttert: Brest ist so hässlich, das muss man gesehen haben!

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Brest: Weg vom Hafen (links) in die Stadtmitte (rechts noch eineinhalbmal zickzack den Berg hoch)

Eine hohe moderne Brücke verbindet beide Teile der Stadt, wobei fraglich ist, welches der belebtere Teil ist, denn die Menschen sind hier alle irgendwie schnell unterwegs, ohne sich aufzuhalten. Das wird mir hier auch nicht passieren.

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Brest: Blick von der Brücke in ein weiteres Hafenbecken
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Auf der anderen Seite steht gut verbaut ein alter Turm, den man besichtigen kann (jetzt gerade nicht)

Ich verstehe die Stadt zwar nicht, muss aber zugeben, dass sie mich mit irgend etwas zwischen Ergriffenheit und Irritation wieder ausspuckt. Es sollte jemand hier einen Film drehen. Unbedingt sogar!

Einen Gangster-Film mit fiesen Freaks und Dauerregen.

Meine Route führt mich weiter an die Nordküste der Bretagne. Ich will so gern diese rosa Felsen an der Côte de Granit Rose sehen!

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Ganz hinten sieht man sie. Sieht ja so doll nicht aus.

Hinter Pleumeur-Bodou habe ich zunächst erst einmal das falsche Dorf angesteuert. Von hier aus sieht man sie ganz klein in der Ferne. Ob man da hinlaufen kann? Das davor kann ich nicht einschätzen. Ist es Watt oder Strand? Ich fahre weiter nach Saint-Guirec. Hier herrscht reges Treiben in den Bistrots, Cafés und Souvenirläden rund um einen kleinen Strand. Es ist furchtbar kalt, die Touristen tragen Funktionsjacken. Aber am Strand liegen ein paar Menschen in Bikinis und bräunen sich. Sie haben keine Gänsehaut. Es müssen Sch’tis sein! Oder Urlauber aus Grönland. Es sind gerade einmal 15°!

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Am Phare de Ploumanac’h stapeln sich die Rosengranitfelsen als würden sie Fäuste ballen.

Dass mich diese rosa Felsen nicht wirklich begeistern, kann daran liegen, dass es kalt und immer irgendwie regnerisch ist, daran, dass meine Augen schon voll sind von so vielen Reiseeindrücken, oder einfach daran, dass ich (uninformiert wie immer) schlicht die falschen Felsen aufgesucht habe.

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Ufergestade in Saint-Malo: Die Wellen spritzen so heftig zwischen Mauer und Palissade hoch, dass sie Fußweg und Straße (mit allem, was da unterwegs ist) komplett einweichen. Sie tragen hier Regenjacken.

Während ich weiterziehe, sinkt die Temperatur auf 10 bis 12° und es regnet wie aus Eimern. Ja, ich weiß: Zuhause habt ihr 30° und ich finde das nicht richtig. Der Plan war anders. Ich gönne euch die sommerliche Wärme, aber ich will sie auch. Und euch vermisse ich auch! Der Beschluss steht fest: Den Mont-Saint-Michel noch angucken und dann nichts wie nach Hause!

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Saint-Malo: Es kann hier sicher ganz wunderschön sein!

Auf der Fahrt zum Mont-Saint-Michel frage ich mich, wann man bloß in die Bretagne reisen sollte. Wenn es bei uns kalt ist, ist es hier superkalt. Und im Sommer will man ja auch nicht in die Kälte fahren. Ich weiß nicht, wann ich wiederkomme, aber ich würde gerne (nur jetzt gerade nicht). Denn schön ist die Bretagne auf jeden Fall!

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Le Mont-Saint-Michel. So hab ich mir das vorgestellt. Eine kreisrunde Inselstadt vom Meer umspült und nur bei Niedrigwasser zugänglich (über einen schmalen, felsigen Pfad)
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…und so ist die harte Realität: Immer und für jeden zugänglich. Der Weg breiter als das Ziel.

Noch bevor man den Mont-Saint-Michel sieht, wird man auf ein riesiges Areal parzellierter Profi-Parkplätze geleitet (unterteilt in Abschnitte für Pkw, Reisebusse oder Wohnmobile). Sie kosten 14€ (wie man beim Bezahlen dann feststellen wird). Dafür sind die Shuttlebusse inclusive. Sie fahren pausenlos hin und her und dennoch bilden sich lange Schlangen. Wer Kutsche fahren will, kann das auch (gegen Bezahlung). Was soll’s, ich wollte die schroffe unzugängliche Insel im Meer, also laufe ich zu Fuß und mache immer mal ein Foto ohne Straße, Menschen, Kutschen und Busse, das meine Illusion zu retten geeignet ist.

Die enge kleine Stadt ist voller Menschen, Schulklassen, Souvenirläden, Lokale, Tauben und Möwen. Der Besuch des Klosters kostet wieder, aber ich bestreike das. So schade, dass dieser in meiner Vorstellung romantisch verklärte Ort schlichtweg eine Touristenfalle geworden ist.

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Blick vom Mont-Saint-Michel hinab
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Auf dieses Bild bin ich ganz besonders stolz. Und nein, mein Sohn: Die Taube hat mich nicht bekleckert.

So, meine Freunde, das wars hier erstmal und dann wird es Zeit, sich wiederzusehen!

À bientôt!

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