Das sind alles bretonische Dörfer für mich

Wenn ich neulich noch unsicher war, ob ich mich nicht insgeheim schon in der Bretagne befinde, ist es nun sonnenklar: Man merkt es. Denn hier sind alle Ortsschilder und Wegweiser doppelt: Oben der französische Name, unten der bretonische. Sogar für TOUTE DIRECTION gibt es eine Übersetzung: DA BEP LEC’H.

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Sarzeau: Chateau de Ssucino
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Es kommt einem vor, als hätte man schon zahllose Märchenfilme gesehen, die in dieser Wasserburg spielen. Mio mein Mio vielleicht?

Es ist verwirrend. Und auch, weil es mir vorkommt, als guckten alle Bewohner dieser eigenwilligen Gegend argwöhnisch hinter ihren ordentlich geschnittenen Gartenzäunen hindurch, wenn ich meinen Bus durch eine schmale Gasse zu einem möglichen Parkplatz (mit Seeblick) für die Nacht ansteuere. An jedem einzelnen vermaledeit schönen Platz ist ein Verbotsschild oder eine Höhenschranke. Mag man Wildcamper hier nicht so gern?

Schließlich werde ich doch noch fündig und genieße die abendliche malerische Aussicht auf den Golf von Morbihan…

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Larmor-Baden: Bretonisches Begrüßungswetter im Golf von Morbhan

Nachtruhe ist mir hier allerdings nicht vergönnt. Nachdem sich Fischer, Liebespärchen und andere Gestalten zurückgezogen haben, lausche ich friedlich an meiner Matratze, eine ferne Turmuhr schlägt Mitternacht. Unter mir rappelt es befremdlich. Es ist ganz nah. Da treibt jemand unten in meinem Bus sein Unwesen. Wer? Ein kleines Tier? Ich trampele mit den Füßen auf dem Boden herum. Stille.
Nicht lange. Ein Auto fährt heran, wendet, blendet durch meine Gardinen, parkt in meiner Nähe. Sehr junge Stimmen, Flaschengeklapper. Fahrräder halten an, jugendliches Gekicher. Getuschel, Taschenlampen leuchten um meinen Bus herum. Was wollen sie? Sie ziehen flaschenklappernd mit ihren Taschenlampen zur Bank unten an der Nebelmeerkante. Aha, sie wollen ein bisschen die nächtliche Natur genießen. Es wird wieder still. Kurz.
Liegend ist es wieder zu hören: Unter meinem Ohr trappelt etwas. Ist da etwa ein Marder, der mir hier alles kaputtbeißt, während ich zuhöre? Wieder stampfe ich mit den Füßen. Nur dauert es nicht lange, bis ich einsehen muss, dass ich mir auf diese Weise immer nur sehr kurze Schlafphasen rausklopfen kann.
Ich male mir aus, wie ich am nächsten Morgen versuchen würde, einen Abschleppdienst an diese abgelegene und steile Uferstraße zu locken. Auch wenn das wirklich mal eine echte Herausforderung für meine immer noch stockenden Sprachkenntnisse wäre, breche ich alsbald auf und fahre in den nächsten Ort, wo ich unter einer stillen Baumreihe parkend weiterschlafe. Morgens erwache ich neben einem netten kleinen Friedhof. Der Bus startet problemlos. Puh!

In Vannes Altstadt gibt es herrlichen Café au lait mit Croissant im Sonnenschein, Es ist sowieso eine recht hübsche kleine mittelalterliche Hafenstadt.

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Fast schon gutes Wetter in der Nähe von Ploemeur

Mein Stadtbummel in Quimperlé fällt schon wieder dem Regen zum Opfer. Man sollte meinen, dass die Menschen hier daran gewöhnt seien, doch die Stadt ist wie ausgestorben.

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Downtown Quimperlé
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Bretonisches Schilderchaos (das Achtungsschild haben sie wohl übersehen)
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Qiumperlés Markthalle ist nicht so schön wie die in Turku oder Helsinki

Die geplante Wanderung durch die schöne Gegend um Pont-Aven streiche ich ersatzlos, weil es ausnahmsweise in Strömen regnet. Danach erkunde ich Qiumper und bin absolut begeistert. Auch die Menschen hier wirken im Vergleich zu dem, was ich in den letzten Tagen erlebt und beobachtet habe, freundlich und zufrieden. Wenn ich Bretonin wäre, würde ich mit Sicherheit hier leben. Ja. Es ist schön hier!

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Quimper

Die Cathedrale Saint-Corentin hat eine abgeknickte Achse und eine erstaunliche Atmosphäre voller Licht und Leichtigkeit. Und obendrein ganz wunderbare Mosaikfenster.

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Saint-Corentin de Quimper

Allerdings ist die bisher schönste Landschaft an der Westküste hinter Locronan zu finden.

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Hier sind Wellen, Wind, Weite, ein endloser Blick über die Landschaft, die sich nördlich bis zum Parc Naturel Régional D‘ Amoeique hinzieht.

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Egal in welcher Sprache das Ortsschild zu lesen ist, französisch klingt das nicht und merken kann ich es mir auch nicht: Goulit ar Guer. Das ist übrigens ganz in der Nähe von Créach Guennou…

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