Étang de Berre

Ich bin so ein Schlaufuchs. Abends gucke ich mal nach der Bushaltestelle, damit ich weiß, welcher Bus mich am nächsten Tag nach der Wanderung nach Martigues zurückbringen wird. Die 29 ist es und sie fährt so ca. alle Stunde, auch an Samstagen und Schulferien (gibt nur zwei Kategorien im Fahrplan). Morgen ist schließlich Jour férié (Tag der Befreiung). Am nächsten Tag ist es bedeckt, fast schon regnerisch. Macht nichts, ich warte die Wölkchen ab und mache mich auf den sentier littoral (Küstenpfad). Die Wanderwege sind hier nicht immer so dolle gekennzeichnet, aber am Ufer entlang – das findet man ja immer. Sieht gut aus:

…anfangs. Das wird aber langsam kniffliger:

Bald geht es drunter und drüber:

Das kann nicht mehr der sentier littoral sein…

Hier weiß ich ganz kurz nicht weiter. Aber den beschwerlichen Weg zurück zu nehmen, ist keine Option. Ich bin ja sicher fast da…

Immer mal wieder auf die Wellen achten, dass der nächste Stein in Trittweite bleibt. Zwischendurch muss ich allerdings wie eine Bergziege durch pieksende Pinien-Blaubeer-Rosmarin-Gestrüppe.

Dann wirds nochmal knifflig

und irgendwann erreiche ich diesen unglaublich ozeanig riechenden Muschelstrand.

Nach vier Stunden entdecke ich das erste Wegzeichen und nun gehts auch wieder flott voran. Ich befinde mich wieder in der Zivilisation. Schmutzig, aber glücklich.

Noch ein Stündchen durch herrliche Landschaft geschlendert..

Martigues begrüßt mich mit einem Arc de Triomphe (oder so)

und dann wird es allmählich Zeit für meine Daily Challenge. Hier muss es doch irgendwo Menschen geben, an denen ich mein spärliches Französisch polieren kann.

Das sogenannte Venedig der Provence ist allerdings fest in der Hand des Nieselregens …oder des Feiertags?

Halt, hier sind welche!

Sie haben es eilig, es regnet ja nun richtig. Also fix die einzig geöffnete Straßenbar aufgesucht und ein Bier bestellt. Und auch noch nach der Haltestelle der 29 gefragt. Sehr freundliche Franzosen hier. Der Gare routière ist gleich da, hinter der Ampel:

Jedes Busticket kostet 1€, steht da. J’aime la France !

Allerdings erklärt mir der junge Mann an der Halte, dass das heut nichts ist mit ’samedi et vacances scolaires‘. Er guckt sogar extra im Internet nach. Nein, feiertags fährt die 29 gar nicht. Und da sehe ich es auch: die anderen Busse haben drei Fahrpläne: einen dritten für die Sonntage. Aber so mindestens ein kleines Stückchen in meine Richtung fuhr der letzte um 17:10h, also vor 20 Minuten. On va faire de la marche!
Den Rückweg nehme ich dann direkt durch Wiesen und Felder. Das braucht immerhin nur knappe zwei Stunden und ich schaffe es vor Anbruch der Dunkelheit und direkt vor dem Superregenguss. Wie froh ich über meine guten Stiefel bin!

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Aanie sagt:

    jaaa, so ne abkürzung ist immer mal was nettes…;-)

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