You can take, what you need

Addis Abeba ist nicht hässlich. Addis ist laut, stinkend, schrill, schmutzig und hässlich.

Das fängt schon damit an, dass ich bei der Bank of Ethiopia für 200€ einen stinkenden Klumpen bekomme: Sechstausendirgendwas Birr

Den Packen 50-Birr-Scheine kann ich erst im Hotel nachzählen. 50Birr= 1,60€

.

Normalerweise bekomme ich schönere Sachen für so viel Geld. Kann man damit bezahlen oder habe ich Schmierzettel gekauft? Wenn diese Bank nicht vertrauenswüdig ist, dann weiß ichs aber auch nicht. Vor der Bank stehen (im Gegensatz zu den vielen Wechselstuben) bewaffnete Soldaten, beim Eintreten musste ich einen Body-Check über mich ergehen lassen, UND sie wurde im Reiseführer genannt.

Das Bezahlten des Hotels mit diesen Fledderscheinchen dauert natürlich ewig. Die MasterCard-Funktion geht leider derzeit nicht (muss gar nicht erst ausprobiert werden, geht wohl nie).

Die Steckdosen im Zimmer gehen manchmal, wenn man den Nachtschrank fest dagegen klemmt. Dusche geht, Fenster geht auch. Auf. Zu nicht so gut. Das Telefon geht nicht und nach dem Schranksafe habe ich erst gar nicht gefragt.

Das Kabel, was vom 9. Stockwerk auf meinen Balkon herunterbaumelt, binde ich mit Nähgarn ans Geländer.

Auf zur Piazza!

Überall wuseln Menschen, jeder geht seinem kleinen Gewerbe nach: Schuhe putzen, Dinge auf dem Fußweg zum Verkauf auslegen: Wasserflaschen, Bananen, Schuhe, Taschen, Kaugummis, Telefonguthaben, Zeitungen, sogar Bücher zum Amharik Lernen. Wenige Menschen betteln einfach so, die meisten haben ein Geschäftsmodell. Fast jeder hat etwas zu tun.

Auf den Straßenbaustellen arbeiten auch Frauen in Röcken mit Schaufel und Spitzhacke.

Auf der Taxifahrt von der Piazza zum Mercato komme ich aus dem Staunen nicht heraus. 10 übereinander gestapelte Matratzen wechseln mehrfach vor, neben, hinter mir die Straßenseite. Darunter Beine. Der Taxifahrer sagt: beware of thieves, take care of your phones. Also keine Fotos, bin sowieso mit Staunen beschäftigt.

Diebstahl ist ein Geschäftszweig. Taschen und Handys werden mit Vorliebe geklaut. Eine Art Sozialbeitrag der Besitzenden an die Besitzlosen. Wann immer sich die Gelegenheit bietet. Und anhaltende Taxis sind gute Gelegenheiten.

Schuhprobe an der Piazza

Der Rückweg dauert 2 Stunden durch den Stau in den dunkel werdenden, lärmenden Straßen. Irgendwelche UNO-Menschen sind gerade mit Air Ethiopia gelandet, um eine Woche lang mit Africa Union zu konferenzieren. Das merkt die ganze Stadt, denn damit die Delegation wichtiger Menschen heile ins Hotel kommt, wird der Verkehr angehalten. Die Autofahrer rufen einander lachend zu, dass die Arbeit hier doch von allen schon längst gemacht wird und die UNO-Typen doch ebensogut miteinander telefonieren könnten.

Autos, Laster, Mopeds stehen von allen Seiten kommend kreuz und quer auf den Kreuzungen. Dazwischen wuseln Jungs mit Bananenkarren und sonstigen Geschäften, die gerade aufgeräumt werden. An den Straßenrändern lange Warteschlangen für die Busse. Alle sind so tiefenentspannt, keiner schimpft.

Im Stau werden Lappen und Popcorn verkauft. Viele tüchtige Leute hier. Jeder hat gute Ideen und verwirklicht sie.

Als der Taxifahrer durch mein Fotografieren irritiert wirkt, zeige ich ihm das Foto und erkläre, dass er nicht drauf ist. Er lacht: You can take, what you need.

Die um Essen bettelnden Kinder am Fenster tätschelt er liebevoll und verspricht, nächstes Mal etwas mitzubringen. Die Kinder laufen lachend davon.

Uns sagt er, man kenne sich hier. Und es bringe nichts, die Kinder schlecht zu behandeln. Sie haben schon keine Hoffnung. da brauchen sie nicht auch noch Geschimpfe.

In der Tat fällt mir jetzt erst auf, dass hier keiner streitet, schimpft oder irgendwie aggressiv ist. Man begegnet sich immer respektvoll. Toll!

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