Wer nicht geht, kann nicht heimkommen

Was ist sonst noch so passiert?

Im Laufe der dritten Woche kam überraschend die Mitteilung von höchstamtlicher Stelle: Die Datenschutzrichtlinie wurde brandaktuell angepasst und wir dürfen jetzt unsere privaten Endgeräte für dienstliche Zwecke benutzen. Hilfe, ich hab es ja geahnt, aber nun ist es sicher: ich war die ganze Zeit illegal unterwegs!

Der Mietz haben wir beigebracht, die Mäuse draußen zu verspeisen, knack knack.
Der Himmel ist blau wie nie. Kein einziges Flugzeug, kein Kondensstreifen. Die Vögel spazieren ungeniert durch den Garten, der nicht ganz ausgelastete Sohn stampft ein Gewächshaus aus dem Boden.
Die Ferien fangen an…
Ostern auf Korsika, das war der Plan. Jetzt eiere ich hier zwangsentschleunigt zwischen Küche, Flur und Garten rum, korrigiere die Schülerarbeiten, erfahre nebenbei, dass die Coronawochen nicht benotet werden dürfen und bin kurz davor, in eine Sinnkrise zu verfallen. Bin auf einer Rundreise durch die Alltags-Inseln der Banalität im Tyrannischen Meer der richtigen und wichtigen Taten.

Jeder scheint sich gerade neu zu erfinden. Die einen nähen Mundschutze, die anderen bodybuilden sich oder werden anderweitig sportiv, kreativ und selbstoptimiert. Die ewigen Konsumenten hamstern. Ich habe es auch getan: Hafermilch und Katzenfutter. (Man stelle sich nur mal eine plötzlich eintretende Superquarantäne vor und die Mietz nervt!)
Da ist auch noch das andere alte Phänomen, das mich (aus heiterem Himmel, hihi) überfällt. Instagramability.

Pünktlich am Gründonnerstag geht es los: Die ganze Welt backt vorbildliche Hefedinger und drappiert diese auf perfekt dekorierte Ostertische mit weltuntergangshammermäßiger Instagramability. Es sieht so aus, als macht man dies einzig, um es mir zu zeigen. Um mir mitzuteilen, dass … (keine Ahnung, was eigentlich?) Aber ich weiß mich zu wehren!
Die kosmische Mischung aus Bier, Mehl und Zucker, die hier seit gestern Hefe werden soll (ursprünglich für die Brötchen), kommt zum Einsatz. Ich experimentiere optimistisch mit den leckersten glutenfreien Mehlsorten, vergesse leider nebenbei, die Milchmenge zu reduzieren und knete immer weiteres vornehm blasses Reis-, Mais- und Hirsemehl nach. Irgendein verdammtes Onlinerezept verriet mir den ultimativen Trick: Über Nacht in den Kühlschrank, dann kann der Teig nicht zu sehr aufgehen und ich kann gleich morgens backen. Blöder kann man nicht sein: Das scheint bei glutenfrei irgendwie nicht zu fluppen. Muss nicht auch alles mit Hefe irgendwie immer schön lauwarm bleiben? Ein zäher Klumpen fade Knete begrüßt mich am Morgen. Backpulver wird helfen und, was solls, Kürbiskernöl hilft vielleicht bei der Geschmeidigkeit und macht es wenigstens schön grün. Wo ich grad mal dabei bin, können auch lecker Blaubeeren und Mandelsplitter noch mitspielen. Das wird das beste „Alles-was-weg-muss-Hefeding“ aller Zeiten. Sie werden staunen!

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ich drapiere es nach meinen Möglichkeiten. „Willkommen in der Realität“ heißt das Werk. Jeder, der mich jetzt noch mit seiner perfiden „Schau-mal-was-ich-kann“-Osterbotschaft konfrontiert, bekommt es retour. (Sind denn jetzt alle außer mir so jesusmäßig?)

Willkommen in der Realität!

Halt, da fehlt doch was!

Man beachte die rustikale Eiergestaltung…

Es kam, wie es kommen musste und ich möchte nicht darüber sprechen.

Perspektivwechsel

Und dann war da noch die Sache mit dem Feng Shui…

Es gibt da diesen Metallschuppen. Er stand da so. Immer. Jahrelang. Ein Relikt der letzten Hausbesitzer, angefüllt mit allem, was kein Mensch mehr braucht. Schon vor Jahren witzelten meine Schwester und ich über einem zufällig gefundenen Buch zu Feng Shui im Garten, dass bei meinem Garten alles stimmt. Alles, außer diese Sache mit dem Themenbereich Herkunft. Wenn sich da laut Buch Metall befindet, im schlimmsten Fall auch noch angesammeltes Gerümpel, dann braucht man sich über Ärger in der Verwandtschaft nicht wundern. Haha, die spinnen ja. Meine Schwester legt einen nach: So lang du da die Metallhütte mit den ganzen Altlasten stehen hast, kannst du es vergessen mit dem Bruder klarzukommen. Das wird nichts!

Nein. Wurde es nicht. All die Jahre nicht. Aber das hatte andere Gründe.

Jetzt aber, nachdem das Gewächshaus gebaut ist, muss die Metallhütte weichen. Ist eh nur olles Zeugs drin und der Hollerbaum braucht Luft.

Der staubtrockene Boden ist bedeckt von Nussschalen, darunter alles mauselochunterhöhlt. Sogar die Mietz macht ein langes Gesicht. Der Sohn schleppt grinsend ein Eisenkreuz weg: „Damit hab ich früher immer mein Floß festgemacht!“ Es kommt erstmal aufs Hasengrab. Jetzt an Papas Tod zu denken, ist mir zu morbid. Eine Woche ist es her.

Die Ferien sind fast vorbei, ich komme nicht nach Hause, denn ich war ja immer hier. Ich habe nur irgendwo in dem weiten Feld zwischen Systemrelevanz und Instagramability meine Runden gedreht. Ostern mit seiner ganzen Fotogenität ist durch, der Käs‘ ist gegessen.

Dann habe ich noch meinen Bruder angerufen. Unbeschwert und friedlich.
Frau Merkel spricht im TV von einem zerbrechlichen Zwischenerfolg

Über Manches wächst Gras. Und es wächst nicht schneller, wenn man dran zieht.

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