Cerberus, der Höllenhund

Wer mich kennt, weiß es: Um Hunde mache ich einen Bogen. Sie aber nicht um mich. Meine Phobie konnte ich schon weitgehend eindämmen. Danke Frida, danke Betty, Paula, Wolf und die vielen anderen hartnäckig lieben Vierbeiner!

Unweit der sehr südokzitanischen Stadt Cerbère lassen wir uns abends auf einem nicht weiter erwähnenswerten Campingplatz nieder. Es gibt hier viel feuchte Wiese für uns alleine. Nicht ganz. Im Dunkeln wuselt ein struppiger Hund aus den Sträuchern, macht uns zur Begrüßung einen Kack-au-dog und verschwindet wieder.

Am nächsten Morgen kommt er als Teil einer dreiköpfigen Bande wieder. Der größte unter ihnen, eine wuchtige dunkelbraune Erscheinung mit glänzendem Fell, blutunterlaufenen Augen und Sabberfäden an den Hängelefzen legt seine dicke Sabberschnauze abwechselnd auf mein Bein, meinen Arm und unseren Frühstückstisch. Er weicht mir auch nicht von der Seite, wenn ich ihn anschnauze, wegschiebe oder böse Laute von mir gebe. Auf „Assez!“ und den gehobenen Finger reagiert er endlich und lässt sich neben mir nieder. Sein Gefolge ist in den Büschen verschwunden. Endlich mal einer, der Französisch mit mir redet. Ich habe Cerberus, den dreiköpfigen Höllenhund, besiegt!

Das Staunen über die Heldentat wird etwas getrübt, als sich dieses sabbernde Monster gleich darauf wieder erhebt und seine gesamte Sabbersammlung kernig neben unserem Frühstückstisch abschüttelt.

Gruissan vom Château aus. Hinten le Salin île Saint Martin de Gruissan
Mal wieder viel Wind…
…und Wasser

Das eigentliche Ziel des Ausflugs in den Süden war (neben der Flucht vor Regen) das Teatre-Museu-Dali in Figueres. Immer wieder eine kleine Sensation!

Weiter im Norden, bei Béziers, gibt es Boote auf einer Brücke zu bestaunen:

Les Bateaux du midi
Das Viaduc am Canal-du-midi bei Béziers
Überall blüht der Ginster!

Auf der Fahrt von Montpellier nach Bordeaux durch die Cevennen gibt es viele weitere Bauwerke der Römer zu bestaunen. Z.B. das Aqueduc du Château, das sich kilometerlang von Castrés aus in die Pampa zieht.

Dann ist da die neue Autobahnbrücke bei Millau, die man in einem gewaltigen Sonnenuntergangsspektakel von den Bergen über Creissels aus bestaunen kann.

Viaduc du Millau im Abendrot

Im nackten Tageslicht ist Frankreichs höchstes Bauwerk dann nicht mehr ganz so romantisch.

Entlang des immer breiter dahinfließenden Tarn verlasse ich die Cevennen auf meiner Fahrt nach Westen.

In Albi gibt es sehr kleine Garagen

Absolut sehenswert ist Moissac, wo Tarn und Garonne zusammenfließen! Hier ist sogar der Regen schön! Der Campingplatz „L’île de Bidounet“ ist der Tipp schlechthin (wenn man mit dem VW-Bus unterwegs ist). Man kann durch eine Art Brückentunnel auf die Insel hinter der alten Mühle fahren und campiert dann direkt am Ufer des Tarn. Toll!

Und was machen meine Französisch-Challenges?

Nun ja, dass Franzosen kein Englisch können, ist jedenfalls ein Gerücht. Sie sind immer so schnell und dann wird es umständlich, wenn ich auf Französisch beharre. Aber ich gebe nicht auf.

Nachdem die Anhalter sich nicht vom Englischsprechen abhalten ließen, versuche ich es auf dem nächsten Campingplatz (wenn man zu lange keinen hatte, fängt man an zu stinken…) wieder mal mit Französisch. Es klappt ganz wunderbar und die Madame von der Rezeption ruft nach Franz, dass der mir den Platz au bord du Tarn zeigen soll. „Franz? Il est allemand?“ „Non, Österreich“. Und weil er Österreicher ist, spricht er gleich Englisch mit mir, obwohl die Madame ihm sagt, dass das nicht nötig sei, weil ich exzellent französisch reden würde. Juchuu!

Dann sagt Franz gar nichts mehr, steckt sich seine Zigarre in den Mund und radelt fröhlich dampfend vor mir her.

La vie est belle!

Brücke über die Garonne zwischen Boudou und Saint-Nicolas-de-la-Grave
Die Garonne im Regen. Die Landzunge dahinter ist ein Vogelschutzparadies.

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