Kein Pils in Ventspils

Jūrmala ist das Wochenendmekka der Städter aus Riga. Es ist Samstag und auf meinem Weg liegen hübsche kleine Kirchen mit Hochzeitsgesellschaften.

Die Fahrt dorthin ist wie die Suche nach Finanäs: man folgt den Wegweisern, bis man sieht, dass sie in die entgegengesetzte Richtung weisen. Dann ist man schon wieder draußen. Allerdings stehen hier viele kultige Bade- und Ferienhäuser locker nebeneinander und eine Strandbar folgt der nächsten. Angeblich einer von Europas besten Stränden mit blauer Flagge.

Um nach Jūrmala zu dürfen, muss ich 2€ Maut bezahlen. Das zahlt sich aber schon nach dem ersten Halt aus, denn überall jubelt man mir zu. Die Straßenränder sind gesäumt von Menschen, die mir zujubeln. Das mag ich sehr.

Nach ein paar Kilometern sehe ich in den Rückspiegel, fahre dann schnell auf die Seite und reihe mich unauffällig in die jubelnden Massen ein.

Da bin ich wohl irgendwie in die (ziemlich lange) Retromobilparade geraten. Sie fahren und schieben irgendwie alles rum, was alt und skurril ist.

Am Schluss kommen die drei Polizeiautos, die mich zuvor in die Straße gewinkt hatten.

Kolkarags

Am Kap Kolka fließt das Wasser aus der Rigaer Bucht in die Ostsee. Die Wellen überkreuzen sich. Kann man stundenlang zugucken.

Ein Wegweiser zeigt auf allen hier üblichen Sprachen, auf welcher Seite man Sonnenauf- und untergang sieht. Praktisch. Und auch bisschen schön.

Umgefallene Pinien säumen den Strandweg zum „Kempings“. Schaurig schön!

Ganz in der Nähe steht die größte nordeuropäische Parabolantenne, ein Relikt aus dem kalten Krieg. Die Sowjets hatten den Westen damit ausspioniert.

Ventspils (Windau)

Der Aussichtsturm ist abgesperrt, denn das Geländer ist kaputt. Es ist jetzt nunmal Nachsaison und der gigantische Blaue-Flagge-Strand morgens fast menschenleer. Aber dieser endlose Strand hier ist wirklich schön! Endlich mal wieder richtige Wellen und das Wasser ist mit 19° wärmer als die Luft. Ich gehe trotzdem nicht baden…

Stattdessen bummle ich zwischen ehemals prächtigen Hausern auf verlassenen Straßen und trinke Kaffee im nostalgischen Marktplatzcafé…

…während es mal wieder anfängt zu regnen.

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Pãvilosta

Ein absolutes Freakdorf. Ich habe Hunger und frage in der Bar, ob es irgendetwas Essbares gibt, notfalls Pommes. Die einheimischen Hippster lehnen diese generell ab und fragen, ob veggie oder vegan und servieren mir dann einen superleckeren Pancake, gefüllt mit frischem Gemüse und Käse. Über den Preis von 1,50 rege ich mich auf. Jeder Parkplatz mit Dixiklo kostet hier 1,50 – ohne dass jemand dafür gekocht und liebevoll dekoriert haben muss! (Und man muss sie löhnen, wenn man das Meer sehen will!) Ich gebe ihnen 3… (mehr wäre angemessen, aber so snobistisch). Was läuft bloß falsch diesem Land?

Liepāja

„Die Stadt, in der der Wind geboren wird“

Lange habe ich keine so umwerfend hässliche Stadt mehr gesehen. Ich brauche dringend Kaffee. Überall sonst ist die Hafenpromenade der geeignete Ort, aber hier? Nur Lärm und Gestank. Sie haben das mit der Kanalisation nicht im Griff. Immerhin gibt es hier und da mal 100m Radweg, naja.

Auf dem Weg zum Kempings fahre ich erst am alten Gefängnis vorbei, dann durch die Lazarettstraße und durchs Russengettho, der reinste Scherbenpark. Mittendrin steht die Nikolaikirche – ein Traum in Gold – dann stehe ich vor dem Tarzan-Camp (Grillende Cellulitesrussen mit nackten Oberkörpern gönnen sich bei lautem Balaleikapunk ’ne Auszeit vom Ghetto)

…und fahre lieber doch auf einen anderen Kempings.

Der ist wunderschön, am Meer, und der Platzwart ist superlieb. Wir unterhalten uns eine Weile über die Menschen, die Russen, die er nicht leiden kann und seine winzige Rente. Leider gibt er den Falschen die Schuld. Die Verschwörungstheorien, denen er absolut vertraut, möchte ich hier nicht ausführen. Es tut weh, denn er ist wirklich ein feiner Kerl. Politik ist ein miserables Thema, sollte ich lassen.

Ich denke, ich habe fast genug von Lettland gesehen…

Wenn es in Klaipeda eine Fähre nach Danzig gibt, dann nehme ich sie.

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