Kopenhagen

Es ist der heißeste Sommer seit langem hier im Norden. Es heißt, es sei das ideale Jahr für eine Reise hierher. Die Insellandschaft unterhalb von Fünen müsste man als die Dänische Südsee bezeichnen. Sicher tut man das.
Nur in Schweden brennt der Wald und ich hoffe, nicht mehr allzu lange!

Ich bleibe noch einen Tag länger in Kopenhagen, hole sicherheitshalber Dänische Kronen am Automaten und lege los, meinen gestrigen Plan zu beenden.

Der Plan war: Nach Ankunft am Strand-Campingplatz Hundige nach Kopenhagen zu radeln. Dort bei der Streetfoodhalle vor dem CC (Contemporary Copenhagen) zu futtern und ein Bier in der Abendsonne zu zwitschern. Jedoch nach etwa der Hälfte der Strecke und einigen Umwegen (Akku leer, nix Google) musste ich einsehen, dass weitere 10 km zu viel für den fortgeschrittenen Nachmittag (huch, schon 19 Uhr?) und vor allem zu viel für meinen extrem ungestählten Sofakörper sind.

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An dieser Bank auf halbem Weg sah ich ein, dass es weit ist.
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Und erst bei dieser Wahnsinnsaussicht bin ich umgekehrt. Hat sich doch gelohnt, oder?

Heute also werde ich alles besser machen! Ich radele morgens zur S-Bahn, schließe mein Fahrrad an einen der vielen vollen Fahrradständer und stelle fest, dass die Dänen viel bessere Räder haben als ich und alle nur maximal mit Speichenschloss abstellen. Am Bahnhof!
Ich kaufe ein Ticket und in einer Eingebung frage ich rasch, ob man Räder mitnehmen darf. Die Antwort „It’s free“ passt nicht ganz zur Frage, beflügelt aber ungemein.
Jeder, der schon mal zur Hauptverkehrszeit sein Rad im Licher Bähnli mitnehmen wollte, weiß, dass das genau dann verboten ist.
Eine neue Welt öffnet sich. Alle Treppen haben Fahrradspuren und im Zug gibt es extra Schlaufen zum Parken der Räder. Viele Schlaufen! Und viel Platz!

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In Kopenhagen stehe ich mitten im Fahrradparadies. Ihr kennt diese Bilder von endlosen vollen Fahrradständern und Geländern. Kein Wunder, dass hier keiner ein Rad klauen muss. Hier gibt es mehr Räder als Menschen!

Und eigene Radspuren, -ampeln und -regeln. Das Stehenbleiben-Zeichen (Hand hoch) kannte ich noch nicht, ist aber super hilfreich. Ich bleibe ständig stehen. Würde ich hier leben, könnte ich sicher die Fahrradautobahn hoch oben über die Füßgängerzone und den Kanal benutzen ohne Fotostopps zu machen.

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Am Ziel (das Contemporary Copenhagen) angekommen, muss ich leider feststellen: Es ist weg. Nur Schuttberge, Container und Bagger. Die Streetfood-Halle – weg!

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Das CC lässt sich googeln. Es ist jetzt 2km weiter westlich im alten Refshaleøen. Gut, dass ich gestern umgekehrt war. Das wäre echt zu viel gewesen. Ich hätte geflucht!
Der Weg dorthin füllt sich mit Menschen… Oh ja: Die Streetfood-Gang ist mit umgezogen. Ich habe auch schon reichlich Hunger.
Waszurhölle ist passiert? Diese abgehalfterten Neuhippies nehmen kein Cash. Keiner von denen! (Gut, dass ich nochmal am Bankautomaten war…) Ihr hattet mich ja gewarnt, aber ich wollte nicht hören. Ich habe mich auch nie mit der Gebührenordnung der V-Card befassen wollen. Wird das teuer? Keine Ahnung, ich mach das jetzt.
Doof nur, dass der Veggie-Burrito kein bisschen schmeckt. On ne peut pas tout avoir!
Dafür gehören mir die Aussicht und die Fahrradwege!

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Hinten sieht man ganz klein das gegenüberliegende Ufer mit den Lagerhallen Refshaloen

Das Bier trinke ich nach ausgedehnter Stadtberadelung durch Segway-Gangs, Menschen- und Radlerhorden am Nachmittag auf der anderen Seite des Hafens – mit Blick auf die kartenzahlenden Neuhippies beim Refshaleøen.
Könnte man mal googeln, was das eigentlich ist. Viel spannender ist später die Frage, wie ich aus dem Westen der Stadt die 23km nach Osten zum Campingplatz erledigen werde. Dazwischen die Menschenmassen an der kleinen Meerjungfrau und jede Menge Hafenlokale mit Musik und einer Wahnsinnsaussicht!

Und nein: Es gibt mehr Menschen hier als Räder. Wenn man die Touristen mitrechnet.

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Bin natürlich zurück geradelt – und hab es nicht bereut! (Ja leck mi am Mors, tut der vej!)

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